Sportliche Karriere

Bereits im Alter von fünf Jahren haben mich meine Eltern bei einem Rollstuhlclub in Köln angemeldet, da klar war, dass ich den Rollstuhl für den Rest meines Lebens brauchen werde. In diesem Verein lernte ich spielerisch mit dem Rollstuhl umzugehen.

1999 nahm ich dann das erste Mal in meinem Leben an einem Leichathletikwettkampf teil. Es handelte sich um ein Kinderrennen im Rahmen des Heidelbergmarathons, welches ich auf Anhieb für mich entscheiden konnte.

2002, 2003 und 2005 besuchte ich die Schnellfahrlehränge von Gudrun und Heini Köberle. Neben dem kontinuierlichen Training halfen mir die Lehrgänge sehr im Umgang mit dem Rennrollstuhl schneller und geschickter zu werden.

2005 wechselte ich zum TV Herkenrath und seitdem trainiere ich auf professionellem Niveau das Rennrollstuhlfahren. Im selben Jahr konnte ich mich schon für die Juniorenweltmeisterschaften in Großbritannien qualifizieren und letztendlich wurde ich sogar Juniorenvizeweltmeister U18 über 100 m und 200 m.

2008 gelang mir in meiner Karriere der Durchbruch:

Ich wurde 3-facher Juniorenweltmeister U20 über 100 m, 200 m und 400 m.
Zusätzlich qualifizierte ich mich für die Paralympics und konnte über 400m das Halbfinale erreichen.

2009 verbesserte ich die Deutschen Rekorde über 100 m, 200 m und 400 m.
Darüber hinaus wurde ich Juniorenweltmeister U23 über 100 m, 200 m, 400 m und 4 x 100 m.
Des Weiteren erzielte ich über 400 m die weltweit schnellste Zeit und beendete damit das Jahr als Weltranglisten Erster.
Das wichtigste Ergebnis war jedoch, dass ich die IWAS-Weltmeisterschaften der Erwachsenen in Bangalore (Indien) über 400 m für mich entscheiden konnte.

Bronze Medaille - Weltmeisterschaften 2011

Bronze Medaille – Weltmeisterschaften 2011

2010 verbesserte ich die Deutschen Rekorde weiter und konnte dazu über 400 m auch den Europarekord erfahren.
Zusätzlich bin ich der erste Rennrollstuhlfahrer, der zweimal die 400 m unter 46 Sekunden bezwingen konnte und halte die zweitschnellste jemals gefahrene Zeit.
Dazu konnte ich bei der Juniorenweltmeisterschaft in Olomouc (Tschechien) meine Titel über 100m, 200m und 400m wieder erfolgreich verteidigen.

2011 fanden die Weltmeisterschaften in Christchurch (Neuseeland) statt. Auch dort konnte ich über meine Spezialstrecke, die 400m, eine Medaille erfahren – nämlich die Bronzemedaille und ich konnte das Jahr 2011 als Weltranglisten Erster über 400m und 200m beenden.

Das Paralympische Jahr 2012 lief leider von Anfang an etwas holprig. So bin ich als Weltranglisten 6. über 400m zu den Paralympics in London gefahren. Während die 100m mit Platz 5 wesentlich besser als erwartet liefen, konnte ich über 400m zwar mein Minimalziel, die Finalteilnahme, erreichen, aber wenn man 3 Jahre in Folge der schnellste 400m Sprinter der Welt ist und der erste und einzige Europäer, der jemals unter 46 Sekunden gekommen ist, schmerzt es sehr, wenn man sich den Finallauf ab 200m von Hinten anschauen muss.

Comeback 2013

Siegerehrung 400m Lyon 2013

Siegerehrung 400m Lyon 2013
v.l.n.r Marc Schuh, Marcel Hug, Kenny van Weeghel
© Werner Schuh

Im Jahr 2013 gelang es mir mich wieder an die Weltspitze zurückzuarbeiten. Bei der Weltmeisterschaft in Lyon wurde ich 4. über 200m, gewann Bronze über 100m und Silber über 400m. 2014 konnte ich ebenfalls erfolgreich fortsetzen. Bei der Europameisterschaft in Swansea konnte ich über 100m und 200m die Bronze Medaille holen und hatte mein bestes Ergebnis über 400m als Vizeeuropameister. Mein erster Start bei einem großen Wettkampf über 800m wurde mit einer Bronze Medaille belohnt.

 
Verbesserung des Europarekordes 2015:
Der Europarekord von 2010 hatte mir lange eine große Bürde auferlegt. Den Rekord als 21 jähriger Emporkömmling zu fahren, hatte den eigenen Anspruch an mich hervorgerufen, ab jetzt die Szene zu dominieren. Zwar gehörte ich die gesamte Zeit zur Weltspitze und ging bis auf London 2012 auch immer mit eine Medaille nach Hause, aber so gut wie geplant, wurde ich nicht. Es kamen leichte Zweifel auf, ob die Doppelbelastung aus Sport und Studium nicht vielleicht doch zu viel wären. Die Saison 2015 begann im Frühjahr mit den Wettkämpfen in Dubai eher mit einer Schlappe. Der EM im August 2014 habe ich 2 bis 3 Monate völlig pausiert, um mich auf das Schreiben meiner Arbeit zu konzentrieren und um im Anschluss den nötigen Auszug aus meiner Wohnung im Studentenwohnheim zu organisieren. Dementsprechend lief im Februar nicht viel. Auch die Sommersaison 2015 begann eher mäßig. Der Sommer war schlicht keiner. Alle Wettkämpfe waren verregnet und windig. Bis auf einen einzigen. Es war wieder Arbon, im Juni; heiß und windstill. Unglücklicherweise war ich etwas heißer als geplant. Am Morgen mit leichten Halsschmerzen und etwas erhöhter Temperatur aufgewacht, wollte ich zumindest die zuerst stattfindenden 200m probieren. Die Zeit von 24,60s nahm mir zumindest die Qualifikationssorge für die WM im Oktober in Doha. Zum Spaß trat ich wenige später über 400m und konnte den eigenen Europarekord über 400m von 45.64s auf 45.40s verbessern. Was für ein Rennen! Endlich! Nach fünf Jahren geht es hier vorwärts.
Die WM im Oktober verlief dann leider nicht ganz so wie erwartet. Nach einer stressigen Phase am Promotionsexperiment war die Vorbereitung nicht ganz optimal und bereits jetzt starke Athleten aus China haben für ein ernüchterndes Ergebnis gesorgt. Platz 7. über 100m, Platz 4. über 200m und Platz 6. über 400m. Die erste WM, bei der ich völlig ohne Medaille nach Hause fahren musste. Schade, aber der Blick geht bereits Richtung Rio, wo erneut angegriffen wird!

 

 

 

Hier noch einmal ein Überblick meiner Leistungen:

Titel:

  • Vizeeuropameister 2014 über 400m
  • Bronze-Medaillengewinner über 100m, 200m und 800m bei der Europameisterschaft 2014
  • Vizeweltmeister 2013 über 400m
  • Bronze-Medaillengewinner über 100m bei der Weltmeisterschaft 2013
  • 5. über 100m und 6. über 400m bei den Paralympics in London 2012
  • Bronze-Medaillengewinner über 400m bei der Weltmeisterschaft 2011
  • Weltmeister über 400m 2009
  • 10- facher Juniorenweltmeister
  • Vielfacher Deutscher Meister

Rekorde:

  • Platz 2., 3. und 4. auf der ewigen Bestenliste über 400m
  • Einziger Europäer unter 46 Sekunden über 400 m
  • Europarekordhalter über 400 m
  • Deutscher Rekordhalter über 100m, 200m und 400m

Weitere Erfolge:

Persönliche Bestleistungen:

  • 100 m: 14.09 s
  • 200 m: 24.57 s
  • 400 m: 45.40 s

 

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